30.04.2012

GELSENWASSER-Stellungnahme zur „Risikostudie Fracking“

Hoher Untersuchungsbedarf besteht weiter

Mit dem Vorabdruck der „Risikostudie Fracking“ hat ExxonMobil am 25. April 2012 zunächst lediglich den Kurzbericht der Studie vorgelegt. Zurzeit ist daher auch nur die Beurteilung dieser Kurzfassung möglich.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass sich diese Studie nur mit den Gegebenheiten auf den eigenen Frack-Feldern von ExxonMobil befasst. Sie ist daher in ihren Aussagen in keinem Fall als allgemeingültig anzusehen. GELSENWASSER setzt deswegen stärker auf die Ergebnisse des Gutachtens, das Umwelt- und Wirtschaftsministerium NRW vergeben haben sowie auf die Studie, die das Bundesumweltministerium in Auftrag gegeben hat.

Die Experten nennen im Bereich „Empfehlungen“ der „Risikostudie Fracking“ mehrere “zusätzliche Belastungen und Risiken“ im Vergleich zu konventioneller Erdgasförderung.
Dazu gehören
•    mehr Flächen für Bohrplätze/techn. Infrastruktur, so dass mehr Menschen, Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz direkt davon betroffen sind;
•    mehr Transport, Umfüll-, Reinigungs- und Lagervorgänge mit den entsprechenden Unfallrisiken sowie ein deutlich höherer Wasserverbrauch und ein höherer Energieeinsatz.
Zu den Risiken bzgl. des Ausbreitens/Aufsteigens der eingesetzten Chemikalien im Grundwasser oder die Folgen verletzter Deckschichten heißt es lediglich:
„Hinsichtlich der unterirdischen Vorgänge in der Lagerstätte aufgrund einer größeren Zahl von Frack-Vorgängen in einem begrenzten Raum liegen hierzulande keine Erfahrungen vor.“

Damit konstatieren die Experten, dass das Risiko für die Anwendung des Fracking-Verfahrens in Deutschland – wie GELSENWASSER seit Bekanntwerden der Fracking-Pläne für NRW immer wieder hervorhebt – zurzeit noch gar nicht wissenschaftlich fundiert abgeschätzt werden kann.

Die Experten schließen wegen möglicher erheblicher Umweltrisiken die Anwendung des Frackings aus, wenn
•    im Untergrund tektonisch kritisch gespannte Störungen oder tektonisch starke Zerrüttungen vorliegen;
•    artesisch gespanntes Tiefenwasser und durchgängige Transportwege gleichzeitig auftreten (z. B. Kohlebergbau);
•    Trinkwasserschutz- und Heilquellenschutzgebiete betroffen sind.

GELSENWASSER begrüßt die Zusage von Dr. Gernot Kalkoffen (Vorstandsvorsitzender ExxonMobil Central Europe Holding GmbH) im Rahmen der Präsentation der Studie, Fracking nicht in Bergbaugebieten einzusetzen: “Der Neutrale Expertenkreis definiert Ausschlussgebiete für Fracking in unkonventionellen Lagerstätten zum Beispiel bei menschlich erheblich beeinflusster Hydrogeologie (z.B. Kohlebergbau) und bei besonders kritischen tektonischen Spannungen im Untergrund. Das ist nachvollziehbar und wird von ExxonMobil eingehalten werden, soll heißen: Dort werden wir keine Frac-Maßnahme durchführen.“
Der Verzicht auf Fracking in ohnehin durch Bergbau stark beanspruchte Regionen wie das Ruhrgebiet, in dem außerdem Trinkwasser für Millionen Menschen gewonnen wird, ist absolut notwendig. Damit folgt ExxonMobil der bereits erfolgten Einigung in der Wasser- und Energiebranche zum Fracking, die in einem Positionspapier des Bundesverbandes BDEW zum Thema festgeschrieben wurde.

Die Befürchtungen der GELSENWASSER wegen möglicher Umweltrisiken gehen hierüber aber deutlich hinaus. Nach wie vor ungeklärt ist die sichere Entsorgung der mit zahlreichen, tw. toxischen Chemikalien belasteten Frack-Abwässer. Die gesamte Abwasserproblematik muss zunächst intensiv untersucht werden.

In der ökotoxikologischen Bewertung von Fracking-Chemikalien in der „Risikostudie Fracking“ heißt es am Ende: „Diese Werte müssen allerdings als Näherungswerte betrachtet werden, da die Datengrundlage sehr lückenhaft und reale Expositionsszenarien nicht ermittelbar waren.“
Auch hier zeigt sich, dass die Experten zwar die vorliegenden Daten – hier z. B. einige von ExxonMobil zur Verfügung gestellten Frack-Flüssigkeiten – untersucht haben, die Datenbasis nach eigenen Aussagen aber bei weitem nicht ausreicht.

Somit beurteilt GELSENWASSER die Risikostudie als Bestätigung der eigenen kritischen Sichtweise des Frackings in Deutschland und vor allem des bestehenden hohen Untersuchungsbedarfs. GELSENWASSER fordert deshalb weiterhin die Politik auf, vor dem Vorliegen BELASTBARER wissenschaftlicher Daten keine Entscheidung über die Genehmigung von Frack-Bohrungen zu fällen und das Bergrecht entsprechend den neuen Anforderungen durch Fracking anzupassen (Umweltverträglichkeitsprüfung, öffentliche Beteiligung).

Gelsenkirchen, 30. April 2012


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