Klärschlamm und Phosphor-Recycling bei Gelsenwasser

Neue Technologie

Klärschlamm und Phosphor-Recycling

Engpässe bei der Klär­schlamm-Ver­wertung

Bei der Verwertung der rund 1,7 Millionen Tonnen Klärschlamm-Trockenmasse aus kommunalen Kläranlagen bestehen Engpässe. Die Kapazitäten zur direkten landwirtschaftlichen und landbaulichen Nutzung des Schlamms sind in den letzten Jahren deutlich zurück gegangen. Gleiches gilt für die Verbrennung, welche langfristig als Mittel der Wahl bleiben wird.

Ab spätestens 2029 muss Klärschlamm aus großen kommunalen Kläranlagen verbrannt und der darin enthaltene Phosphor zurückgewonnen werden. Derzeit fehlen die großtechnischen Kapazitäten für die spätestens dann erforderliche Mono-Verbrennung von Klärschlamm ebenso wie die für Phosphorrecycling.

Gelsenwasser hat frühzeitig auf die Engpass-Situation reagiert und Kapazitäten zur thermischen Verwertung geschaffen. Dafür wird modernste, umweltverträgliche Verbrennungstechnologie eingesetzt, die im Anschluss eine hocheffiziente Rückgewinnung von Phosphor aus der Asche ermöglicht. Der Betrieb einer Recycling-Anlage im großtechnischen Maßstab soll ab 2024 erfolgen – das ist noch vor der gesetzlichen Verpflichtung ab dem Jahr 2029. Als nachhaltig ausgerichtetes Unternehmen und Partner der Kommunen hat Gelsenwasser den Anspruch, die gesetzlichen Standards frühzeitig zu erfüllen.

Gel­sen­wasser schafft Ka­pa­zitäten

Gemeinsam mit Partnern baut Gelsenwasser bis voraussichtlich Mitte 2023 zwei Anlagen zur Mono-Verbrennung mit einer Gesamtkapazität von 115.000 Tonnen Klärschlamm-Trockenmasse. Während am Standort Chemiepark Bitterfeld-Wolfen die Anlage seit Anfang 2022 in Betrieb ist, läuft der Bau für eine weitere Anlage in Bremen auf Hochtouren. Im mitteldeutschen Schkopau möchte Gelsenwasser außerdem ihre erste Anlage zur Gewinnung von Phosphor aus Klärschlammasche betreiben und hat hierfür die Phosphorgewinnung Schkopau GmbH gegründet. Das Genehmigungsverfahren für diese Anlage läuft bereits.

StandortKapazität t TM / JahrInbetriebnahme
Bitterfeld60.000in Betrieb seit 2022
Bremen55.000in Bau bis ca. Mitte 2023
Bitterfeld16.000in Betrieb seit 1997
Standorte Klärschlammverbrennung

Rechtliche Vorgaben zum Phosphor-Re­cycling

Aus Klärschlämmen mit einem P-Gehalt von ≥ 20 g pro kg TM (bzw. ≥ 2 %) muss Phosphor zurückgewonnen werden.

Bei Phosphor-Rückgewinnung aus dem Klärschlamm: geforderte Quote min. 50 %. oder Abminderung des P-Gehalts unter 20 g/kg TM. Bei Phosphor-Rückgewinnung im Rahmen der Abwasserreinigung muss der daraus gewonnenen Klärschlamm unter 20 g/kg TM aufweisen.

Bei Phosphor-Rückgewinnung aus der Klärschlamm-Asche: geforderte Quote min. 80 %

Quelle: Klärschlammverordnung AbfKlärV vom 3. Oktober 2017

Zahlen und Fakten zu Klarschlamm

Gel­sen­wasser, Ea­sy­Mining & Mobile Schlammentwässerung GmbH

Partner für Phosphor-Rück­ge­winnung

Die GELSENWASSER AG arbeitet mit EasyMining Germany GmbH und der Mobilen Schlammentwässerung GmbH zusammen.

Das Ver­fahren Ash2Phos

Der bevorzugte Weg ist die thermische Vorbehandlung des Klärschlamms in einer Mono-Verbrennungsanlage. Dadurch ist die Konzentration des Phosphors in der Asche sehr viel höher als bei anderen Verfahren, so dass Quoten jenseits der gesetzlich geforderten 80 Prozent erreicht werden können.

Bei der Verfahrenstechnik für die Rückgewinnung des Wertstoffs Phosphor aus der Asche setzt Gelsenwasser auf eines der dabei weltweit führenden Unternehmen, das schwedische Unternehmen EasyMining aus dem Ragn-Sells-Konzern und sein Verfahren Ash2Phos.

Beim Ash2Phos-Verfahren (Asche zu Phosphor) erfolgt zunächst ein Aufschluss der Asche in Säure. Auf diese Weise kann der Rest-Sandgehalt abgetrennt werden, anschließend erfolgt eine Separation der einzelnen Fraktionen.

Das Verfahren ist aus Sicht unserer Fachleute das aussichtsreichste und wirtschaftlichste. Es erzielt sehr hohe Recycling-Quoten und entgiftet den Stoffkreislauf. Das im Zuge des Verfahrens gewonnene Calciumphosphat  kann u. a. für Dünge- oder Flammschutzmittel weiterverarbeitet werden und da, wo es eingesetzt wird, importierte Phosphate zu 100 Prozent ersetzen.

Klaräschlamm: Das Ash2Phos-verfahren

Henning R. Deters, Vorstandsvorsitzender

Wir gehen gemeinsam mit EasyMining offensiv die Lösung der gesetzlichen Recycling-Vorgabe an und wollen die wertvolle Substanz Phosphor sobald wie möglich als Recyclingprodukt zur Verfügung stellen.

Ihre Ansprechpartnerin

Heidrun Becker

Leiterin Presse & Medien