Verbraucherinfos

Energiemarktlage

Aktuelle Infos zum Energiemarkt: Das sollten Sie wissen! 

Seit Wochen ist der Energiemarkt unter Druck. Erst sorgten Corona und eine plötzlich sehr hohe Nachfrage am Weltmarkt für Turbulenzen. Jetzt stellt uns die Russland-Krise vor neue, noch nie dagewesene Herausforderungen. Die Lage und somit auch die Konsequenzen am Energiemarkt ändern sich täglich. Darum haben wir hier die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt, um Sie laufend zu informieren und Zusammenhänge zu erklären.  

Wir beantworten Ihre Fragen zum Energiemarkt

01Woher kommt das Erdgas, mit dem wir versorgt werden?

Die Vertriebe des Gelsenwasser-Konzerns und der Partnergesellschaften versorgen ihre Kunden über den jeweiligen Netzbetreiber mit einem Gasgemisch aus verschiedenen Herkunftsländern, mit einem Schwerpunkt aus norwegischen und niederländischen Quellen. 

Die GELSENWASSER-Energienetze GmbH als Netzbetreiberin leitet das Gas derjenigen Lieferanten durch ihr Netz, die sich die Bürger*innen ausgesucht haben.

02Ist die Gasversorgung weiterhin gesichert?

Derzeit ist die Versorgung mit Erdgas gesichert. Die Situation kann sich aufgrund der Russland-Krise im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg Russlands in der Ukraine aber verschlechtern.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hatte nach der Forderung Russlands, Energielieferungen in Rubel zu bezahlen, am 30. März die erste Stufe (Frühwarnstufe) des Notfallplans Gas ausgerufen.

Die zweite Stufe (Alarmstufe) wurde am 23. Juni 2022 aktiviert. Die Ausrufung der Alarmstufe begründete Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck unter anderem mit der Verringerung der Gaslieferungen aus Russland durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Seit der Drosselung des Gasdurchflusses ist der Gasmarkt noch angespannter. Eine weitere Belastung ist absehbar.

Die Gasversorgung in Ihrem Ort ist eingebunden im deutschen und europäischen Fernleitungsnetz. Somit ist die Gasversorgung bei Ihnen abhängig von der Sicherheit der Gasversorgung in Deutschland. Diese fußt im Wesentlichen auf Importen aus Norwegen und Russland. Russland liefert derzeit noch 30 % des in Deutschland verbrauchten Erdgases. Insgesamt kann Europa auf einen breiten Liefermix aus verschiedenen Richtungen bauen.

Weitere Informationen dazu finden Sie beim Bundeswirtschaftsministerium und auf der Seite der Bundesnetzagentur.

03Was passiert, wenn Russland kein Erdgas mehr liefert bzw. weniger Erdgas liefert?

Zurzeit findet die physische Gaslieferung aus Russland nach Deutschland weiter statt, ist allerdings mengenmäßig deutlich eingeschränkt. Weitere Mengenreduzierungen über die verschiedenen Transportwege können aufgrund der Krisensituation nicht ausgeschlossen werden. Ganz ohne russisches Erdgas würde eine Versorgung langfristig nur bei deutlicher Einschränkung des Verbrauchs durch Industrie, Gewerbe und Haushalte möglich sein. Wer in einem solchen Fall wie viel Gas erhält, regelt im Grundsatz § 53 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Die konkreten Anordnungen, wie bezüglich verschiedener Kunden(-gruppen) zu verfahren ist, kommen dazu von der Bundesnetzagentur (BNetzA).

04Was passiert, wenn doch ein Gasmangel entsteht?

Im Fall eines Gasmangels gibt es eine vielschichtige Vorgehensweise, die in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen geregelt ist. Wir haben in Europa Sicherungsmechanismen, die in einer Engpasssituation greifen. Die Abschaltung einzelner Kunden ist in dieser Sicherheitskette das allerletzte Glied.
In jedem Fall sind Haushaltskunden und Einrichtungen wie z. B. Krankenhäuser und Pflegeheime durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt.
Sollten bei langfristigen, sehr umfangreichen Lieferausfällen weitere Einschränkungen notwendig sein, entscheiden die Netzbetreiber nach den dann geltenden politischen Vorgaben, wie die zur Verfügung stehende Menge verteilt wird.
 

05Ich bin Gewerbekunde – was kann mir bei einer Gasmangellage passieren?

Sollte die Bundesregierung die dritte Stufe (Notfallstufe) des Gas-Notfallplans ausrufen und so eine Gasmangellage vorliegen, kann es sein, dass einzelne Industrie- und Gewerbeunternehmen abgeschaltet werden. Die Reihenfolge richtet sich nach gesetzlichen Vorgaben, z.B. dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), sowie Anweisungen der Bundesnetzagentur (BNetzA), die als Bundeslastverteiler im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) handelt. 

Informationen dazu erhalten betroffene Kund*innen vom jeweiligen Netzbetreiber. 

Wichtig ist: Das Vertragsverhältnis bleibt weiter bestehen. Zahlungen können für die Dauer der Unterbrechung pausiert ausgesetzt werden. Soweit möglich sollte Erdgas dann durch andere Energien ersetzt werden, da es in der Regel keine Angaben zur Dauer der Versorgungsunterbrechung gibt. 

Bei Wiederinbetriebnahmen abgeschalteter Erdgasgeräte können vorher technische Überprüfungen notwendig sein. Dazu wird der Netzbetreiber informieren.  

06Wie funktioniert eigentlich der Energie-Einkauf?

Strom und Erdgas werden seit 2008 an der Energiebörse in Leipzig (EEX = European Energy Exchange) gehandelt. Hintergrund dieser Institution ist die Trennung von Energienetz und Energieverkauf in Europa. Die Energieanbieter stehen seither im freien Wettbewerb zueinander und kaufen die Energie, die sie zur Versorgung ihrer Kunden brauchen, hier ein. Es gibt einen Terminmarkt – dort kauft man den ungefähren Verbrauch für die nächsten vier Jahre – und den tagesaktuellen Spotmarkt. Hier kauft man die benötigten Restmengen zu.  

07Warum ist derzeit der Vertrieb gestoppt/ Warum kann man keinen Energievertrag abschließen?

Die benötigten Mengen für Bestandskunden sind aufgrund von Erfahrungswerten bekannt und konnten geplant werden. Nicht jedoch der zusätzliche Bedarf (dieser ist in einem sehr kalten Winter etwa viel höher). Derzeit funktioniert die Energiebörse in Leipzig (EEX = European Energy Exchange) nicht wie gewohnt, da es zu wenig Energieangebote am Markt gibt. In der Folge steigen die Preise in ungewohnte Höhen, zudem gibt es extreme Schwankungen. Neue Kunden, die nicht in die Grund-/Ersatzversorgung fallen, könnten wir nur zu sehr hohen Tagespreisen versorgen – das können und wollen wir nicht anbieten.  

08Ich kann vermutlich meine Rechnung nicht komplett bezahlen - was kann ich tun?

Sollten Sie tatsächlich in diese Situation geraten, bieten wir Ihnen einen zinslosen Ratenplan an. Bitte melden Sie sich gerne in unserem Kundenmanagement unter der Ihnen bekannten kostenfreien Rufnummer oder schreiben Sie uns. Wir werden versuchen eine Lösung für Sie zu finden. 

09Werden meine Abschläge automatisch an höhere Kosten angepasst?

Ihre aktuellen Abschläge entsprechen Ihrem Verbrauch des Vorjahres. Die Abschlagshöhe wird mit jeder Jahresverbrauchsabrechnung neu angepasst. Wenn Sie denken, dass Sie derzeit mehr verbrauchen oder die Abschläge nicht ausreichen, können Sie diese aber auch gern im Onlineservice-Center oder telefonisch anpassen lassen.  

10Warum werden auslaufende Energieverträge gekündigt?

Viele unserer Bestandskundenverträge beinhalten eine Preisgarantie. Bei der aktuellen Lage auf dem Energiemarkt können wir jedoch zu annehmbaren Konditionen keine Preisgarantie mehr anbieten.
Daher kündigen wir allen Gas-, Strom- und Heizstromkunden der Erenja AG & Co. KG (Marken Erenja, NGW, Westfalica sowie Vertriebspartner Stadtwerke Geseke und Wiwerink) mit Vertragslaufzeitende zum Ende eines jeden Monats vor der automatischen Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr den Energie-Liefervertrag. Gleichzeitig erhalten diese Kunden ein neues Vertragsangebot ohne Preisgarantie. Das neue Preisangebot beinhaltet die aktuellen Netzentgelte sowie die gestiegenen Beschaffungskosten und zusätzlich für Gas die CO2-Preiserhöhung für 2022, für Strom die EEG-Umlage für 2022.
Die Vertragskündigung ist rechtlich erforderlich, um den Vertrag hinsichtlich des Wegfalls der Preisgarantie anzupassen. Natürlich setzen wir auch zukünftig alles daran, den Preis möglichst lange konstant zu halten. Bei erforderlichen Preisanpassungen haben Sie als Kunde weiterhin ein Sonderkündigungsrecht.
 

11Welche Vorteile hat der neue Vertrag für mich?

  1. Abschluss des neuen Vertrages
    Die neuen Verträge berücksichtigen bereits die Vorgaben des Gesetzes für faire Verbraucherverträge, d.h. nach Ablauf der Erstlaufzeit von 12 Monaten kann der Vertrag jederzeit mit einer Frist von einem Monat gekündigt werden. 
  2. Umtarifierung
    Bei Vertragsrücksendung durch Sie als Kunde erfolgt eine Umtarifierung. Es erfolgt keine Schlussrechnung, der Tarifwechsel wird einfach in der nächsten Jahresverbrauchsabrechnung berücksichtigt. Die Abschläge bleiben wie zuvor. 

12Was passiert, wenn ich nach der Kündigung keinen neuen Vertrag abschließe?

Diese Kunden fallen, wenn sie bei keinem anderen Versorger einen Vertrag abgeschlossen haben, in die Ersatzversorgung des jeweiligen Grundversorgers.

Ist die Stromversorgung gesichert?

Die deutsche Energieversorgung zählt zu den sichersten weltweit. Engpässe in der deutschen Stromerzeugung gibt es momentan nicht. Die Kraftwerke produzieren plan- und bedarfsgerecht. 

Die Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen kontinuierlich sehr hohe regulatorische Sicherheitsanforderungen umsetzen und nachweisen (u.a. für Energieversorgungsnetze und für Energieanlagen). Zudem bestehen Meldepflichten bei IT-Sicherheitsvorfällen gegenüber dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Die Einhaltung dieser Anforderungen wird von der Bundesnetzagentur sowie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik überwacht. Die Anforderungen werden bei Bedarf aktualisiert oder erweitert. Die in Deutschland für den Sektor Energie geltenden Anforderungen gehen weit über die verpflichtenden Mindestanforderungen der Europäischen Cybersicherheitsrichtlinie hinaus.  

Was kann ich tun, um weniger Energie zu verbrauchen? 

Jede(r) kann mithelfen, dass auch in einer Mangelsituation so viele Menschen und Einrichtungen wie möglich Energie zur Verfügung haben. Dazu lohnt es sich schon jetzt den eigenen Verbrauch zu senken! Überprüfen Sie dafür z. B. auch Ihre Geräteeinstellungen (Stand-by ausschalten), die Heizungseinstellung (schon eine um 1 Grad geringere Raumtemperatur pro Haushalt hat in Summe bundesweit einen deutlichen Spareffekt) und wählen Sie Ihre Fortbewegungsmittel so energiearm wie möglich. Ein hydraulischer Abgleich verbessert die Effizienz Ihrer Heizung erheblich.

Alle Unternehmen des Gelsenwasser-Konzerns haben viele Tipps zum Energiesparen auf Ihren Homepages. Zu Ihrem Versorger gelangen Sie am einfachsten über den Link rechts.