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Boden- und Gewässerschutz mehr stärken

Ausbau Phosphorrückgewinnung

Erhebliche Bedenken

Das Bundesumweltministerium (BMUV) hat am 21. August 2024 die "Gemeinsame Erklärung zum Ausbau der Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm" veröffentlicht. Sie basiert auf den Ergebnissen des Branchendialogs „Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm“, der vom BMUV im Mai 2024 in Berlin ausgerichtet wurde. 

Gelsenwasser und die weiteren Mitglieder der Initiative sauberer Phosphor, die am Branchendialog teilgenommen haben, entschieden sich dazu, die Erklärung nicht zu unterschreiben. Aus unserer Sicht bestehen über den dort skizzierten Weg erhebliche Bedenken - hinsichtlich der Umweltverträglichkeit und des Schutzes von Boden und Gewässern. 

Die Erklärung des BUMV ist hier abrufbar. 

Kommentar der "Initiative Sauberer Phosphor" zur BMUV-Erklärung

Die Initiative Sauberer Phosphor begrüßt die Aktivitäten des Branchendialogs zur Phosphorrückgewinnung in Deutschland. Die Veranstaltung am 6. Mai im BMUV und die anschließenden Gespräche haben wichtige Erkenntnisse gebracht und relevante Akteure zusammengeführt. 

Der Dialog hat jedoch auch deutlich gemacht, dass die Ansprüche an die Qualitäten möglicher Endprodukte einer Phosphorrückgewinnung unter den Akteuren sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Die Diskussion konzentrierte sich zudem auf nationale Gesetze und vernachlässigte weitgehend das europäische Düngemittelrecht. Um zu unterstreichen, dass bei der Einhaltung von Umweltstandards der Umweltschutzgüter, insbesondere des Bodens, keine Verhandlungsmasse besteht, unterstützt die Initiative die Entscheidung ihrer am Branchendialog teilnehmenden Mitglieder, die gemeinsame Erklärung nicht zu unterzeichnen. Die Initiative hat Interesse an der Umsetzung einer hochwertigen Rückgewinnung von Phosphor aus den Klärschlammaschen. Diese Entscheidung spiegelt die Position der Initiative wider, da erhebliche Bedenken hinsichtlich der Umweltverträglichkeit und des Schutzes von Boden und Gewässern über den dort skizzierten Weg bestehen. Recyclingverfahren, die Schadstoffe nicht ausreichend entfernen, sind für uns nicht akzeptabel. 

Schutz von Böden und Gewässern 

Klärschlämme, die als heterogene Schadstoffsenke der Abwasserreinigung fungieren, enthalten Schadstoffe, die dem Abwasser entzogen wurden. Um die organischen Schadstofffrachten zu reduzieren, werden Klärschlämme derzeit beispielsweise in der Zementindustrie oder in Kohlekraftwerken mitverbrannt. Werden diese Klärschlämme in Monoverbrennungsanlagen verbrannt, entstehen Aschen, die über aufkonzentrierte Schwermetallgehalte verfügen. Diese Aschen wurden und werden noch immer regelkonform deponiert. In beiden Fällen bedeutet dies, dass die Schadstoffe dem Wertstoffkreislauf und vor allem dem umweltoffenen Bereich entzogen sind. Diese Aschen sollen künftig zur Phosphorrückgewinnung genutzt werden – ein wichtiger Schritt, um Deutschlands Abhängigkeit von Importen dieses kritischen Rohstoffs zu verringern und die Kreislaufwirtschaft zu stärken. Der in der gemeinsamen Erklärung skizzierte Weg birgt jedoch das Risiko, dass Schadstoffe teilweise oder vollständig wieder in die Umwelt gelangen, wenn die Aschen nicht adäquat behandelt werden. Dabei sind nicht nur die Schwermetalle zu berücksichtigen, sondern auch organische Spurenstoffe, die bei Verbrennungstemperaturen von 950 C nicht vollständig zerstört werden. Dies würde die Umweltbedingungen im Vergleich zum Status quo verschlechtern und einen neuen Eintragspfad für Schadstoffe in die Umwelt schaffen. Deshalb sind eine gründliche und sichere Weiterbehandlung sowie die Entfernung des Phosphors aus der Asche notwendig. Nur so kann nach unserer Auffassung eine schadlose und ordnungsgemäße Verwertung sichergestellt werden. 

Bedarfsgerechte Düngemittelversorgung 

In Nordeuropa gibt es grundsätzlich nur wenige Böden, die als Phosphatmangelstandorte bezeichnet werden können, jedoch ist das Phosphat für Kulturpflanzen in spezifischen Wachstumssituationen oft schwer verfügbar. Die Landwirtschaft benötigt moderne Düngemittel, die den Nährstoffbedarf der Pflanzen genau decken, ohne Böden und Gewässer zu belasten. Phosphathaltige Reststoffe erfüllen diese Anforderungen nicht und sind daher keine geeigneten Nährstofflieferanten für die Bedürfnisse einer modernen Landwirtschaft mit den angebauten Hochleistungssorten. 

Wirtschaftliche Resilienz durch reine Grundstoffe 

Bei der Rückgewinnung des kritischen Rohstoffs Phosphor geht es nicht nur um die Produktion von Düngemitteln, sondern auch um die Sicherstellung der Phosphatversorgung für die Industrie. Die Rückgewinnung in Form von reinen Grundstoffen in marktrelevanten Mengen stärkt die wirtschaftliche Resilienz Europas und Deutschlands. 

Bereitschaft für konstruktiven Dialog und gemeinsame Lösungen 

Die Initiative Sauberer Phosphor ist fest davon überzeugt, dass umweltfreundliche und nachhaltige Phosphorrückgewinnung nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Akteure möglich ist. Unsere Aufgabe ist es, mit den zuständigen Behörden, Kommunen, Abwasserentsorgern und den Abnehmern in der Wirtschaft und Industrie Lösungen zu erarbeiten, die Stoffkreisläufe schließen und so den hohen Standards des Boden- und Gewässerschutzes entsprechen. Dabei sind wir überzeugt, dass eine qualitativ hochwertige Rückgewinnung nicht nur Phosphor, sondern auch weitere Wertstoffpotenziale aus Klärschlammaschen erschließen kann, ganz im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Wir bieten an, uns weiterhin aktiv in den Dialog einzubringen, um gemeinsam eine schutzgutbezogene Kreislaufwirtschaft zu fördern, die sowohl ökologischen als auch wirtschaftlichen Anforderungen gerecht wird. Eine Verwertung um jeden Preis darf es nicht geben. Nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung werden wir in der Lage sein, die Herausforderungen einer nachhaltigen Phosphorrückgewinnung erfolgreich zu meistern und gleichzeitig den Schutz unserer Böden und Gewässer zu sichern. 

Ansprechpartner zum Thema

Bild von  Henning Becker

Henning Becker

Politik und Strategie im Bereich Abwasser